Was bedeutet distanz schwäche in der psychologie

Schrieb er tatsächlich, analysierte ich stundenlang den Wortwechsel auf WhatsApp, ja analysierte, wie emotional nah oder fern er mir gerade war … und ob er vielleicht nur so tat, als ob. Schrieb er mir nicht, neigte ich dazu, so zu tun, als würde er mir ohnehin nichts bedeuten und suchte die Linderung meines Schmerzes in einer gespielten Flucht in die Distanz.

Dies war der Beziehungsalltag in einer Beziehung, die von einem permanenten Wechsel aus Nähe und Distanz geprägt war. Eine Beziehung, die dazu in der Lage war, allen Schmerz, alles Kämpfen um Liebe, alle Selbstzweifel und Verlustängste in mir zu mobilisieren und mich mit voller Schubkraft auf den Weg der Heilung drängte. All dies ist nun mehrere Jahre her.

Und ich liebe diesen Menschen noch immer.

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Mittlerweile auf eine sehr platonische, fast brüderliche Art und Weise. In einer Beziehung sind wir trotzdem schon lange nicht mehr. Es fühlt sich friedlich an, wir haben losgelassen und ich habe den höheren Sinn dieser Erfahrung erkannt und längst Bewusstsein darüber entwickelt, was in dieser Beziehung für mich zu lernen und zu heilen war. Speziell für sensible Menschen ist dieses Wechselspiel von Nähe und Distanz in ihren Beziehungen unglaublich schmerzvoll.

Und speziell sensible Menschen, die sich, ihren Schmerz und den Schmerz ihrer Mitmenschen unglaublich gut spüren, schlittern immer wieder diese Beziehungsform hinein: Eine Partnerschaft oder Affäre voller Ungewissheit, Unruhe, Instabilität, das ständige Hin und Her zwischen Hoffnung und Desillusionierung. Tatsächlich halten sie uns den Spiegel auf eine Art und Weise vor, die uns sehr präzise dort hinführt, wo es wehtut.

Egal ob du in deinen Beziehungen ständig auf Distanz gehalten wirst oder derjenige bist, der immer wieder die Flucht ergreift. Beides sagt eine Menge über deine emotionalen Muster und führt tatsächlich an dieselbe Wurzel dieses Problems, das gesunde Beziehungen auf Augenhöhe, so wie sie uns tatsächlich gut tun, immer wieder verhindert.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich besagtem Menschen stets subtil den Vorwurf der Beziehungsunfähigkeit machte, ja felsenfest davon überzeugt war, dass er derjenige sei, der durch seine Bindungsangst eine stabile Partnerschaft verhindere. Das Spiegelprinzip ist unerbittlich: Egal, wer in der Partnerschaft den vermeintlich übersteigert distanzierten oder den vermeintlich übersteigert bedürftigen Part einnimmt.

Während der eine Part aufgrund seiner Panik, sich selbst und die Kontrolle in der Beziehung zu verlieren, klammert und ständig mehr Nähe einfordert — sei es offensichtlich oder auf subtile Art und Weise — und mit allen Mitteln und Strategien um Liebe und Zuwendung kämpft, ergreift der andere Part aus demselben Motiv heraus immer wieder die Flucht.

Weil auch er eine tiefsitzende Angst hat, die Kontrolle zu verlieren und nicht mehr Herr der Lage sein zu können — oft aus der Unfähigkeit heraus, auf dem Fundament eines gesunden Selbstwertes gesunde Grenzen für sich zu setzen und für sich und seine Bedürfnisse einzustehen. Dieses Fluchtverhalten wiederum treibt den bedürftigen Part schier in den Wahnsinn, seine Angst vor Zurückweisung und damit Kontrolle über den Partner, über die Beziehung, über das Gefühl der eigenen emotionalen Sicherheit wird auf massivste Weise angetriggert, was einen völlig normalen Schutzmechanismus in Gang setzt.

Weil der Schmerz kaum noch auszuhalten ist, macht der einst so nach Nähe lechzende Part alle Schotten dicht und baut meterhohe Mauern um sein Herz. Ist der einst bedürftige Part auf einmal vermeintlich unabhängig und frei, kann ein radikaler Rollenwechsel erfolgen. Die Konsequenz ist erstaunlich: Ist der einst bedürftige Part auf einmal vermeintlich unabhängig und frei, kann ein radikaler Rollenwechsel erfolgen.

Denn kaum wähnt sich der einst distanzierte Part aufgrund der emotionalen Abgrenzung seines Gegenspielers in Sicherheit, keine Erwartungen mehr zu erfüllen oder zu viel Verantwortung übernehmen zu müssen, will er seinen Partner zurück. Und kann in diesem Zusammenhang selbst urplötzlich klammerndes, bedürftiges Verhalten an den Tag legen.

Und das Spiel aus Nähe und Distanz geht in eine weitere Runde. Egal, ob wir stets aus der Angst vor zu viel Verantwortung oder der Unfähigkeit heraus, gesunde Grenzen zu setzen in unseren Beziehungen immer wieder auf Distanz gehen oder völlig bedürftig nach Nähe lechzen. Die Wurzel dieser zwei nur an der Oberfläche widersprüchlichen Verhaltensmuster ist die gleiche:.

So fühlen wir uns in unseren Beziehungen ohnmächtig, ausgeliefert, ja haben ständig die Tendenz, uns zu verlieren. Wir schwanken hin und her zwischen zwanghafter Bedürftigkeit und zwanghaftem Streben nach Unabhängigkeit, tauschen dabei immer wieder die Rollen und können in diesem emotionalen Auf und Ab oft nicht die tiefere Ursache dieses Wechselspiels erkennen.

Erkenne, dass dein Gegenüber dir jene Emotionen und Muster spiegelt, die geheilt werden möchten, und dass das Drama zwischen euch nichts anderes als ein Abbild deines eigenen inneren Dramas ist.

Verletzlichkeit: Wie man sich schwach und stark zugleich fühlen kann

Das Drama der Verlassenheit. Des Verlorenseins. Das Drama jener Glaubens- und Gefühlsmuster, die dich klein halten und dich davon abhalten, Ganzheit in dir selbst zu finden. Das Aussteigen aus der Opferposition, aus den dir bekannten Beziehungsmustern, erfordert die Entscheidung zur Eigenverantwortung und zur radikalen Ehrlichkeit mit dir selbst und deinem Partner.

Dies wird dir nicht ganz leicht fallen, weil es dich den Gefühlen deiner vermeintlichen Wertlosigkeit noch näher bringt. Wo erkennst du in deinen jetzigen Beziehungen Parallelen zum Verhältnis zu deinen Eltern? Welche Wunden der Verlassenheit aus deiner Kindheit trägst du mit dir herum — Wunden, die dein Inneres Kind nach wie vor peinigen, sodass es dich aus dem Unterbewusstsein heraus oft mit intensiver Verlustangst prägt?

Wo verlässt du dich selbst, um nicht verlassen zu werden?