Überschwängliches lob psychologie
Kim Raisner stand im schönsten Moment ihres Lebens auf einem runden Treppchen in der Sonne. Alles, was sie zuvor getan hatte, schien in diesem Augenblick richtig: die Jugend auf dem Sportplatz und jede Woche die 40 Stunden Training neben der Uni, frühmorgens, spätabends, trotz Regen, Kälte und Verletzungen. Zur Siegerehrung in Ungarn bei der WM im modernen Fünfkampf wurde sie mit der Kutsche abgeholt, am Wegrand riefen die Menschen zu Tausenden ihren Namen.
Ihr Körper kribbelte vor Glück. Soziale Anerkennung wirkt wie eine Droge. Sie macht uns so glücklich, dass wir fast alles dafür tun. Menschen werden zu Gockeln, die mit Statussymbolen beladen durchs Leben stolzieren, oder sie verlieren sich in fremden Ansprüchen, weil sie meinen, nur geliebt zu werden, wenn sie sich anpassen. Und auch Aggression kann ein Versuch sein, die Zustimmung zu erzwingen, die man glaubt zu verdienen.
Die unbewussten Mechanismen treiben Menschen zu den unterschiedlichsten Taten, der tiefe Sinn dahinter ist aber immer derselbe: Wir wollen als Person wahrgenommen und bestätigt werden.
Entmutigt durch Lob?
Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis wie das nach Essen und Trinken, ohne sie kann kein Mensch existieren. Und trotzdem geizen viele damit. Gerade hierzulande gilt das Motto: Lob ist, wenn niemand meckert. Skeptisch sein gilt als clever, Begeisterung schnell als naiv. Aber wo das Anerkennen fehlt, fühlen sich Menschen irgendwann unsichtbar.
Kindererziehung – Lob kann sich rächen
Sie werden nachlässig, unzufrieden, antriebslos oder gar krank. Der Ort in unserem Gehirn, der uns nach Anerkennung lechzen lässt, ist der gleiche, der Menschen auch nach Drogen süchtig werden lässt: eine Struktur in der Mitte des Hirns, deren Nervenzellen den Botenstoff Dopamin ausschütten. Er löst ein Gefühl von Glück und Stärke aus, das für den Rausch typisch ist; wir wollen Dinge angehen und Ziele erreichen.
Schon bei einem freundlichen Blick oder Lob schütten die Nervenzellen Botenstoffe aus, neben Dopamin auch körpereigene Opiate und Oxytocin, was uns entspannt macht und Lebensfreude auslöst. Je stärker ein Signal der Zuneigung, desto mehr Botenstoffe werden freigesetzt — bei Liebe oder einem Orgasmus explodiert das Netzwerk förmlich. Schon der erste Schrei des Neugeborenen oder das anfänglich noch reflexartige Lächeln bringt Eltern dazu zu reagieren.
Alles, was in uns vorgeht, ist irgendwie auf unser Umfeld bezogen", sagt Wirth. Jetzt teilen auf: Facebook Facebook twitter Twittern Flipboard Flippen Whatsapp WhatsApp Facebook Messenger Facebook Messenger Pocket Pocket Mail Mailen Artikel drucken.