Große schwester kleiner bruder dänischer psychologie

Ihre Erziehungsfrage: Auf unseren Leseraufruf hin haben Sie uns viele Fragen an den Familientherapeuten Jesper Juul geschickt. Daraus haben wir in der Redaktion einige ausgewählt und dem Pädagogen geschickt. Hier antwortet er in einer losen Serie. Sie streiten viel. Versuche ich zu erklären? Ergreife ich Partei?

Das ist sehr schwierig, weil sie dann in Rage sind. Am liebsten halte ich mich ganz raus, aber das nehmen sie - vor allem das Mädchen - mir sehr übel.

Die kleinste Schwester des Todes

Die Lösung ist immer unbefriedigend. Haben Sie einen Tipp? Jesper Juul antwortet: Sich aus ihren Kämpfen herauszuhalten, ist keine so gute Idee. Die beiden leben offensichtlich in einer Familie, in der sie nicht lernen, einen Konflikt konstruktiv zu lösen. Ich nehme an, dass Sie es nicht mögen, dass die beiden so viel streiten?

Wenn das richtig ist, schlage ich Ihnen vor, eine neue Gesprächskultur in Ihrem Zuhause einzuführen. Setzen Sie sich mit den beiden bei einem Stück Kuchen zusammen und sagen Sie etwas wie: "Ihr zwei streitet sehr viel, mehr als mir lieb ist. Ich würde gern andere Wege suchen, wie ihr eure Konflikte lösen könnt. Ich werde euch dann fragen, worum es geht.

Und dann können wir gemeinsam nach einer friedvolleren Lösung suchen. Nach einigen Wochen werden ihre Streitereien an Heftigkeit verlieren, und Sie werden sich alle besser fühlen. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist Autor von mehr als 25 Büchern über Kindererziehung, Familienleben und Pubertät. Eines seiner Standardwerke ist "Das kompetente Kind".

Ein Elternteil fragt: Meine Kinder spielen viel miteinander, können sich aber auch ziemlich brutal und aggressiv streiten. Die beiden verbringen auch viel Zeit miteinander, und da ist streiten wichtig. Können Sie, Herr Juul, mir da Ideen an die Hand geben? Jesper Juul antwortet: Der richtige Zeitpunkt einzugreifen ist, wenn einem von beiden körperlich wehgetan wird oder wenn Sie es nicht mehr aushalten können, ihnen zuzuhören.

Ihre Haltung zu Konflikten erscheint mir gesund und differenziert, also sollten Sie auch Ihr eigenes Wohlergehen als wichtig gelten lassen. Wenn Sie beobachten, dass Ihre Kinder sich immer wieder aufgrund eines bestimmten Themas streiten, sollten Sie einen ruhigen Moment ohne Konflikt abwarten und sich dann ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch nehmen.

Zwei wie Hund und Katze

Besprechen Sie die Streitsituationen mit Ihren Kindern und suchen Sie gemeinsam nach alternativen Wegen, um die Probleme zu lösen. Kinder brauchen sehr oft Hilfe dabei, die eigenen Grenzen kennenzulernen und diese auch im Umgang mit anderen zu bewahren. Dieses "Training" unter Geschwistern kann eine sehr wertvolle Quelle für ihr Selbstwertgefühl und ihre sozialen Kompetenzen sein.

Eine Mutter fragt: Ich schäme mich entsetzlich dafür, aber inzwischen ist es so weit, dass ich meine Kinder wochentags zum spätestmöglichen Zeitpunkt aus der Betreuung abhole. Nur um das tägliche Theater und Geschrei auf ein Minimum zu reduzieren. Obwohl wir erklären, predigen, schreien, strafen und wieder erklären, prügeln beide aber insbesondere der Junge aus kleinster Frustration auf den anderen ein.

Die Aggression und Gewaltbereitschaft dabei macht mich oft sprachlos. Das Zubettgehen oder morgens das Verlassen des Hauses sind ein einziges Schimpfen, Ermahnen, Drohen. Immer öfter erleben wir eine Spirale gegenseitiger Grenzüberschreitungen, gleichzeitig stumpfen die Kinder scheinbar ab - mittlerweile interessiert es keines der Kinder mehr wirklich, wenn ich laut werde.

Und vor allem so fürchterlich weit weg davon, wie wir uns Familie wünschen.