Psychologie auf was man bei fremden achtet

Vom Wahlkampf bis zur Walforschung — das Zeitfragen-Magazin von Deutschlandfunk Kultur hat den Rundumblick für Sie. Montag bis Donnerstag sprechen wir über wichtige Debatten und Erkenntnisse aus Politik, Umwelt, Wirtschaft, Geschichte, Wissenschaft und Forschung. Archiv Nachbarschaft Der Fremde von nebenan.

Von Gerhard Richter Wh. Twitter Facebook Email Pocket. Wer kennt heutzutage noch seine Nachbarn? Nicht einmal jeder zweite, hat eine Studie herausgefunden. Denn vielerorts entstehen on- und offline Nachbarschaftsprojekte und -Netzwerke. Aus dem Podcast Zeitfragen. Podcast abonnieren Vom Wahlkampf bis zur Walforschung — das Zeitfragen-Magazin von Deutschlandfunk Kultur hat den Rundumblick für Sie.

Beitrag Sendung Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed. Erdtrud Mühlens hat in Sri Lanka den Tsunami überlebt — nur Dank der Hilfe ihrer direkten Nachbarn. Das Erlebnis hat die Hamburgerin bis heute geprägt:. Die Solidarität, also, da gab's kein langes Zögern…. Wir hätten das sonst nicht überlebt. Wie sehr diese Nachbarschaftshilfe sie berührt und getragen hat, merkt Ertrud Mühlens, als sie zurück nach Hamburg zieht.

Dieses Land, in dem sich nur 35 Prozent einen engeren Kontakt zu ihren Nachbarn wünschen. Jeder Zweite hierzulande kennt nicht einmal den Bewohner direkt nebenan. Das hat eine Studie der TU Darmstadt ergeben. Die Nachbarschaftmuffelei beginnt offensichtlich schon beim Einzug: In Städten sind nur noch drei Prozent aller neuen Mieter bereit, bei ihrem direkten Nachbarn zu klingeln und sich vorzustellen.

Professor Walter Siebel, Soziologe an der Uni Oldenburg beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Erforschung von Nachbarschaftsbeziehungen. Wer kann mit wem? Wer nicht?

Körpersprache

Warum ist das so? Wie viel Distanz, wie viel Nähe kann man zu den Fremden von nebenan ertragen? Und um sich zu umarmen, müssen sie sich auch physisch nahe sein. Aber die Tatsache der räumlichen Nähe erlaubt überhaupt keine Prognose, ob nun eine Prügelei herauskommt oder eine Umarmung. Es steht also einiges auf dem Spiel, wenn man beim Nachbarn das erste Mal klingelt.

Das Verhältnis, das sich da begründet, wird lange bestehen bleiben. Warum also überhaupt klingeln? In einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Zeitschrift "Chrismon" sagten 84 Prozent der Befragten, sie würden beim Nachbarn vor allem dann klingeln, wenn er oder sie Post für einen angenommen hat. Schon mit solch kleinen Gefälligkeiten entsteht ein heikles Schuldverhältnis. Also, man möchte seinem Nachbarn nicht verpflichtet sein.

Zu der gehören auch die Nachbarn. Etwa dann wenn sie Lärm verursachen. Ärgerlich, aber selbst das ist für die meisten Menschen kein Grund beim Nachbarn zu klingeln. Gerade mal 40 Prozent würden sich beschweren, wenn die Musik zu laut ist, 15 Prozent klingeln, wenn die Nachbarskinder zu sehr toben, Grillgeruch begründet bei 12 Prozent der Befragten eine persönliche Beschwerde und 7 Prozent würden bei Nachbarn klingeln, wenn die zu laut beim Sex sind.

Trotzdem: Nachbarschaftsstreit kommt immer wieder vor.