Cannabis psychologie

In der einen Hand einen Bubble Tea, in der anderen einen Joint — Cannabis ist schon längst vor seiner Legalisierung zu einem typischen Genussmittel geworden. Eine Umschreibung, die harmlos klingen mag, wobei der Konsum, insbesondere für junge heranwachsende Menschen, ernsthafte Folgen haben kann. Eltern machen sich Sorgen: Wie schädlich ist Cannabis? Wird das Gehirn meines Kindes dauerhaft beeinträchtigt?

Darüber hat Dr. Frank Köhnlein bei Psychologie Heute live! In dem einstündigen Live-Talk konnten nicht alle Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer beantwortet werden. Wir haben die häufigsten Chat-Fragen zusammengefasst und sie dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Nachgang gestellt — hier seine Antworten. Herr Dr. Köhnlein, Sie raten dringend davon ab, vor dem Lebensjahr Cannabis zu konsumieren.

Was müsste im Zuge der Legalisierung geschehen, damit diese Altersgrenze ernst genommen wird? Meine Empfehlung wäre es natürlich, überhaupt nicht zu kiffen — auch nicht nach Aber es wäre unrealistisch zu verlangen: Bis 25 sollen junge Menschen kein Cannabis konsumieren.

Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

Damit die Altersgrenze eingehalten wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre die kontrollierte Abgabe von Cannabis mit einem reduzierten Wirkstoffgehalt in Apotheken. Dadurch könnte der Schwarz- beziehungsweise Graumarkt eingedämmt werden. Die Dealer werden sich bei einer Legalisierung wahrscheinlich auf die unter Jährigen konzentrieren.

Die verkaufen vermutlich weiterhin synthetisch bearbeitetes Gras. Und das ist reiner Giftmüll. Eine kontrollierte Abgabe über Apotheken würde dem Suchtbedürfnis bereits abhängiger Jugendlicher gerecht werden und sie immerhin nicht zusätzlich mit diesem synthetischen Abfall belasten. Wenn Cannabis schon legalisiert wird, sollte wenigstens das sichergestellt werden. Glauben Sie, dass mit der Legalisierung die Zahl der Cannabis-abhängigen Kinder und Jugendlichen ansteigt?

Nein, das glaube ich nicht. Überall, wo Cannabis legalisiert worden ist, zum Beispiel in Kanada, ist der Konsum zwar kurzzeitig angestiegen, hat sich dann aber wieder normalisiert, beziehungsweise ist gesamthaft nur minimal gestiegen. Das würde ich auch für Deutschland oder die Schweiz erwarten.

Kleiner Joint mit großer Wirkung

Aber: Die Zahlen steigen sowieso an — wenn auch nicht gravierend. Es wird also tendenziell mehr gekifft werden. Der Grund ist jedoch nicht die Legalisierung, genauso wenig wie die Kriminalisierung von Cannabis zu einer nennenswerten Reduktion führt. Entscheidend ist also viel mehr, wie es gelingt, diejenigen zu schützen, die besonders vulnerabel sind, denen besondere Gefahren durch Cannabis-Konsum drohen.

Und das sind vor allem junge Menschen bis etwa 25 Jahre. ADHS ist beinahe schon ein Risikofaktor. Betroffene Jugendliche konsumieren häufig Cannabis, noch bevor sie medizinisch gesehen und behandelt werden. Sie fühlen sich also nicht mehr so hibbelig und nervös. Cannabis wirkt bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS meistens stabilisierend und beruhigend — ein Effekt, den wir Kinderpsychiaterinnen und -psychiater ja auch mit Medikamenten erreichen.

Es besteht oft die Sorge, dass Arzneimittel zur Behandlung von ADHS, wie Ritalin, abhängig machen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wenn Kinder mit ADHS nicht medikamentös behandelt werden, suchen sie sich andere Wege, um ihre überschüssige Energie abzubremsen und mit der drängenden Unruhe umzugehen.