Ich muss psychologie
Vom Wahlkampf bis zur Walforschung — das Zeitfragen-Magazin von Deutschlandfunk Kultur hat den Rundumblick für Sie. Montag bis Donnerstag sprechen wir über wichtige Debatten und Erkenntnisse aus Politik, Umwelt, Wirtschaft, Geschichte, Wissenschaft und Forschung. Psychologie Archiv Psychologie Das gekränkte Ich Minuten. Twitter Facebook Email Pocket Audio herunterladen.
Die meisten zwischenmenschlichen Konflikte werden durch Kränkungen ausgelöst. Bei den Opfern lösen sie ein komplexes Bündel aus Emotionen aus: Angst, Schmerz, Scham. In der Folge ziehen sich Gekränkte oft zurück. Falsch, sagen Psychologen. Aus dem Podcast Zeitfragen. Podcast abonnieren Vom Wahlkampf bis zur Walforschung — das Zeitfragen-Magazin von Deutschlandfunk Kultur hat den Rundumblick für Sie.
Beitrag Sendung Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed. Weil sie zeigt, dass wir empfindsam sind, dass wir durch bestimmte Dinge verletzbar sind", sagt die Psychologin Bärbel Wardetzki. Vor allem in Liebesbeziehungen. Dort ist fast jeder irgendwann mit Kränkung konfrontiert, dort verorten wir Kränkung in der Regel zuerst. Dort schlägt sie am härtesten ein, verwundet am meisten.
Aber nicht nur dort. Kränkungen sind allgegenwärtig. Davon zeugt eine ganze Reihe Fach- und Ratgeberliteratur, deren Umfang Jahr für Jahr wächst. Die Autorinnen und Autoren sehen in Kränkungen die häufigste Ursache zwischenmenschlicher Probleme — bei Paaren, in Familien und unter Freunden. Andere geben Rat für den Umgang mit Beleidigungen am Arbeitsplatz, analysieren Demütigung und Beschämung als Mittel der Politik, beschreiben sogar Terror und Krieg als Kränkungsreaktionen.
Was genau geschieht, bleibt oft schwer zu fassen. Von "destruktiven Energien" ist die Rede, von "komplexen Emotionen", von Angriffen auf Ehre, Würde, Wert. Was ist es, was hier verletzt wird? Bärbel Wardetzki hat sich in mehreren Büchern mit Kränkungen auseinandergesetzt. Also diese Dinge, die wir notwendig brauchen, um uns im Kontakt mit einem anderen Menschen wohlzufühlen.
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Und die Kränkung zeigt: Da ist etwas in mir berührt, was sehr weh tut. Eine Kränkung sei immer einer Mischung aus verschiedenen emotionalen Zuständen, erklärt Wardetzki: "Zum Beispiel fühlen wir uns ohnmächtig. Wir sind empört, dass der andere so mit uns umgeht. Wir sind zum Teil traurig, weil wir nicht anerkannt oder vielleicht verlassen werden.
Psychologen zufolge tragen Kränkungen Züge von Angst, Schmerz und Scham: Angst, weil meist ein Gefühl von Bedrohung vorliegt. Oft ist dabei nicht ganz klar, worin diese Bedrohung besteht. Sie geht aber — anders als bei Angst — mit einem tatsächlichen Schmerz einher. Daraus wiederum kann Scham resultieren. Denn wie soll man erklären, dass etwas schmerzt, das für andere oft gar nicht da ist?
Psychologen, Evolutionsbiologen, Verhaltensforscher und Sozialwissenschaftler weisen seit Jahren darauf hin, dass soziale Beziehungen für Menschen überlebenswichtig sind, dass sie ein elementares Bedürfnis nach Kooperation und Verbundenheit haben.