Bdsm psychologe sicht
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im kargen Untersuchungsraum eines Forschungslabors. Auf dem Fernsehbildschirm vor Ihnen läuft ein Pornofilm. Ihr Körper ist verkabelt: Elektroden an Brust und Fingerspitzen überwachen Herzrate und Hautleitfähigkeit, Ihr Genital ist mit einem Sensor verbunden, der die sexuelle Erregung misst. Noch dazu klebt an Ihrem Arm ein dünnes Kabel, das geradewegs zu einem elektrischen Stimulator führt.
Über dem Fernsehbildschirm leuchten drei kleine Signallämpchen in zufälliger Reihenfolge auf: Das erste kündigt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Elektroschock an. Das zweite Lämpchen ebenfalls — aber nur dann, wenn Ihre sexuelle Erregung einen bestimmten Wert nicht überschreitet. Ein Aufleuchten des dritten Lämpchens bleibt hingegen folgenlos.
Was nach einer bizarren erotischen Kurzgeschichte klingt, war tatsächlich ein psychologisches Experiment, das der Sexualforscher David Barlow von der State University of New York at Albany durchführte. Zusammen mit Kollegen untersuchte er, wie seine zwölf männlichen Probanden auf diese Furchtkonditionierung reagieren würden. Interessanterweise schienen die angekündigten Schmerzreize der sexuellen Erregung nicht im Weg zu stehen.
Ganz im Gegenteil: Ein Aufleuchten der Lämpchen 1 und 2 führte dazu, dass der Penisumfang der Versuchspersonen kurzzeitig deutlich anschwoll — sehr zur Überraschung der Teilnehmer selbst, die eher mit dem gegenteiligen Effekt gerechnet hatten.
BDSM - Alles Psycho oder was?!
Das Ergebnis stand im Widerspruch zur damals herrschenden Auffassung, Angst wirke prinzipiell lustmindernd. Zwar spielt Barlow in der Sexualforschung eine eher zweifelhafte Rolle zu seinen wissenschaftlichen Interessen gehörte auch die »Therapie« von Homosexuellen. Doch seine Studie zeigt eindrucksvoll, dass nicht nur positive Empfindungen wie Freude oder Geborgenheit mit sexueller Erregung verknüpft sein können.
Auch Furcht und Anspannung können im richtigen Kontext durchaus stimulierend wirken. Einige Menschen sehen im Spiel mit Macht, Unterwerfung und Schmerz einen festen Bestandteil ihrer Sexualität. Ausgeschrieben bedeutet er: »Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism« auf Deutsch etwa: »Fesselung und Disziplinierung, Beherrschung und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus«.
Fetisch aus der Sicht des Psychologen
Er fasst verschiedene sexuelle Vorlieben zusammen, die bei oberflächlicher Betrachtung gewaltvoll, geradezu brutal wirken. Viele der Praktiken stehen scheinbar im Widerspruch zu liberalen Werten wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Viele Sadomasochisten lassen sich peitschen und würgen, fesseln und knebeln.
Manche sperren ihre Sexualpartner in Metallkäfige, quälen sie mit Wäscheklammern an empfindlichen Hautstellen oder versagen ihnen den Orgasmus. Der »Dom«, der dominante Spielpartner, kann sich an seinem Sklaven, dem »Sub«, also nicht beliebig abreagieren. Erlaubt ist nur, womit beide einverstanden sind. Insofern hat BDSM auch eher den Charakter eines erotischen Rollenspiels.
Jenseits des Schlafzimmers können sadomasochistische Beziehungen genauso vertrauensvoll, intim und gleichberechtigt sein wie jede andere Beziehung auch. Luna selbst sieht sich weder als Sub noch als Dom. Sie bezeichnet sich als »Switch«, weil sie — je nach Spielpartnerin oder Spielpartner — neu entscheidet, ob sie eher den aktiven oder den passiven Part übernimmt. Mittlerweile wäre mir so etwas nicht mehr peinlich«, erzählt Luna.
Sie arbeitet in Hamburg für eine Marketingagentur und macht nebenbei ihren Master in Soziologie. Heute muss sie nicht mehr hastig den Rohrstock oder ihre Bondage-Seile verstecken, wenn unerwartet Besuch vor der Tür steht: Luna hat ihre näheren Verwandten und Freunde längst in ihre Vorlieben eingeweiht. Ablehnend reagiert habe niemand.
Der Begriff steht für "Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism". Die Abkürzung fasst eine Vielzahl von einvernehmlich gelebten Praktiken zusammen, die mit Macht, spielerischer Unterwerfung und Lustschmerz in Verbindung stehen. Der ältere Begriff Sadomasochismus verbindet Sadismus und Masochismus und beschreibt häufig die physische Seite von BDSM.
Menschen, die sowohl dominante als auch unterlegene Rollen einnehmen, bezeichnen sich als "Switch". Als Domina gelten Frauen, die dominante Praktiken gegen ein Entgelt ausführen — etwa in einem kommerziellen SM-Studio. Doch selbst fernab davon scheint die Akzeptanz für ungewöhnliche sexuelle Vorlieben in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen zu sein.