Psychologe bartenbach

Forschen an der Universität Innsbruck

ZUKUNFT: Das Jahr wurde von der UNESCO zum Jahr des Lichts ausgerufen. Was verbindet ein Licht-Experte wie Christian Bartenbach mit so einem Würdigungsjahr? Das ist notwendig, weil — wie es der amerikanische Psychologe James J. Gibson formuliert hat — Licht nicht sichtbar ist, aber sichtbar macht. Darin steckt eine Abstraktion, was es auch schwierig macht: Ich muss mir die Wirkung von etwas, was ich nicht sehe, vorstellen können.

Ich muss also das Erscheinungsbild in meinem Kopf bilden und dann das Licht zuordnen, dass es so wird. Das macht unseren Beruf auch schwierig. Bei der sensorischen, aber auch der neurologischen Informationsverarbeitung spielt Licht eine entscheidende Rolle. Der Mensch ist also, wie es die Psychologen sagen, ein Augentier. Dieser Bedeutung von Licht ist man sich aber nicht bewusst. Gerade aufgrund des Echos auf dieses Thema und der Begeisterung von Studenten, mit denen ich bei Lehraufträgen und Gastprofessuren an den Universitäten Innsbruck, München, Kassel und Wien zu tun hatte, habe ich die Bartenbach Akademie gegründet.

Und ich möchte auch festhalten, dass die Universität Innsbruck die Wichtigkeit von Licht sehr wohl erkannt hat — sonst hätte es diesen Lehrgang nicht gegeben, der heuer leider beendet wird. Ich habe meine Firma der Nachfolge übergeben und es besteht hier vorübergehend kein Interesse an der Weiterführung eines solchen Lehrganges an der Uni. Man darf dabei nicht übersehen, dass so ein Lehrgang — trotz Studiengebühren — für ein Unternehmen auch Kosten bedeutet.

Psychologischer Psychotherapeut, Bartenbach, Göppingen

ZUKUNFT: Wie funktioniert die Überleitung von theoretischem Wissen in die Praxis? Theoretisch und in Modellsimulationen konnten wir neue Gebäudeformen schon optimal zeigen, mit der Umsetzung dran wir leider noch nicht erfolgreich. Ich habe sie gefragt, ob ich denn so einen Blödsinn geredet hätte, sie haben aber gemeint, nein, ihnen wäre nur bewusst geworden, dass Tageslicht ja auch Licht ist.

In dieser Zeit sind Leuchtstofflampen so wirklich aufgekommen, in Europa konnte wir damit aber nicht richtig umgehen. Mein HTL-Lehrer Hugo Watzlawek hat mich mit amerikanischer Literatur zu diesem Thema versorgt — und ich habe es, naiv wie ich war, umgesetzt, ohne mich mit den Werten genau auszukennen. ZUKUNFT: Die Universität Innsbruck spielt in Ihrem Werdegang eine entscheidende Rolle.

Um was ging es damals genau? Ich habe einen Vorschlag gemacht, mit dem sollte ich zu Ivo Kohler, dem damaligen Professor für Psychologie. Er ist auf mich losgegangen, weil ich Leuchtstofflampen statt Glühbirnen verwenden wollte. Wir sind uns in die Haare geraten, haben uns aber auch wieder beruhigt und sind gemeinsam das Problem angegangen.

ZUKUNFT: Wie verlief diese Kooperation Elektroinstallationsbetrieb und akademische Psychologie? Zahlen musste ich, mein Vater hat mir fast den Hals umgedreht, weil ihn als Elektroinstallateur Adaptionszusammenhänge nicht interessiert haben. Adaption war damals, aufbauend auf den Arbeiten von Kohlers Vorgänger Theodor Paul Erismann, ein Schwerpunkt der Innsbrucker Psychologie.

Das war alles also ein Zufallseinstieg, Glück braucht man immer. Glück war auch, dass Ivo Kohler mit dem schon erwähnten James J. Gibson nicht nur befreundet war, sondern ihn ins Deutsche übersetzt hat. Daher habe ich mir auch Jahrzehnte später, als ich es mir leisten konnte, einen Wahrnehmungspsychologen in das Unternehmen geholt. In der Zwischenzeit beschäftigen wir drei Psychologen.

Es war aber trotzdem immer ein Fenster da, am Tag ist es also hell, in der Nacht dunkel. Über die Adaptionstheorie wusste ich, dass ein Fenster auch blendet. Irgendwann wurde mir klar, dass man ein Fenster als Leuchte sehen kann. Das war vor der Erfindung des elektrischen Lichts anders, da wurde tageslichttransparent gebaut.