Psychologe bei wutanfällen
Irgendwann ist Schluss! So lass ich nicht mehr mit mir umgehen! Die kennen nicht nur Schmetterlinge oder Flugzeuge im Bauch, die kennen auch Bomben im Bauch — reingefressener und unterdrückter Ärger, der sich Luft macht, wenn einer die Lunte entflammt. Kaum einer kann dem gefährlich näherkommen als der geliebte Partner, der hat ungehinderten Zutritt zur Sprengstoffkammer.
Dann explodiert die Wut im Bauch. Ärger, Wut und Zorn sind wohl ein Teil unserer menschlichen Natur, eine Emotion, die in allen ethnischen Gruppen und Kulturkreisen anzutreffen ist. Keine Gesellschaftsschicht, keine Personengruppe, keine Altersstufe ist davon ausgenommen — auch nicht Liebespaare. Ärger, Wut und Zorn sind normalerweise eine gesunde Abwehrreaktion gegen Unrecht, unabhängig davon, ob es sich dabei um eine wirkliche Ungerechtigkeit handelt oder um eine empfundene und wir uns unfair behandelt fühlen.
Letzteres kommt gar nicht mal so selten vor. Das liegt daran, dass es uns an Reife mangelt, unser Gerechtigkeitsempfinden aus dem Gleichgewicht geraten ist, wir im Panikmodus operieren oder von zu viel Selbstsucht und Geltungsbedürfnis angetrieben werden. Dann erscheinen uns Dinge als ungerecht, obwohl sie das nicht sind, und machen uns wütend.
In den meisten Fällen entspringen aggressive Gefühle einer wirklichen Bedrohung oder Kränkung, einer realen Vernachlässigung oder Zurückweisung und tatsächlich vorhandenen Ohnmachts-, Verlassenheitsund Verlustbefürchtungen. Dann fungieren sie als eine Art Alarmsignal dafür, dass etwas, das uns wichtig ist und wir wertschätzen, in Gefahr ist, verloren zu gehen.
Wir werden dann mobilisiert, zu kämpfen und unser Gut zu verteidigen. Ärger, Wut und Zorn sind Affekte, die uns glauben lassen, dass das Leben noch verändert werden kann. Sie sind Ausdruck von Lebendigkeit, welche uns motiviert, zielgerichtet auf etwas Ungutes loszugehen und es zum Besseren hin verändern zu wollen. Dabei gibt es durchaus konstruktive Vorgehensweisen wie z.
Lass uns bitte mal darüber reden. Wann würde es denn passen? Aber selbst solch gut angebahnte Gespräche können entgleiten und dann wird es destruktiv. Ein Wort gibt das andere und die Situation eskaliert. Aber die Milch ist verschüttet und man bekommt sie nicht mehr zurück ins Glas.
Warum es wichtig ist, Wut als Potenzial zu sehen
Destruktiv kann sich aber auch Ärger-Abwehr auswirken. Das ist doch kein Grund, so wütend zu werden. Wohin also mit dem Ärger? Wenn ausdrücken nicht geht, bleibt oft nur unterdrücken. Die verschiedenen Gesichter der Wut zeigen sich im Spannungsfeld zwischen Impulsivität und Emotionsunterdrückung. Da ist zunächst der Ärger über eine ungute Sache. Nehmen wir als Beispiel den Partner, der leidenschaftlich gern kocht — und gut obendrein!
Wer ist nun fürs Aufräumen zuständig? Um den Konfliktbereich wieder zu befrieden, muss da etwas verhandelt und ausgeredet werden. Kann der Ärger nicht auf direkte, offene und konstruktive Weise zur Sprache gebracht werden, dann wächst die Energie zur Wut an oder gar zur Zornesglut. Dahinter steht aber immer noch eine Absicht der Zuwendung, die mit dem Betroffenen eine Diskussion und Auseinandersetzung um die Sache anstrebt, welche die Dinge zum Besseren verändern soll.
Daher wird Zorn manchmal auch die andere Seite der Liebe genannt. Wird Ärger jedoch mit den diversen Taktiken einer erfolgreichen Konfliktabwehrfähigkeit statt Konfliktfähigkeit unterdrückt, dann muss er zwangsläufig abgekühlt und beruhigt werden. Wenn man das aber nicht kann, dann erscheint er als passive Aggression z.
Der unterdrückte Ärger zeigt seine kalte Schulter. Zum Schluss verschlägt es ihm die Sprache und es herrscht eisiges Schweigen, was nicht zu überhören ist.